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Historie der timeout Werkrealschule St. Märgen

2003 bis 2020 Autonome Außenklasse der Freien Waldorfschule Freiburg St.Georgen

Unter dem Leitmotiv „Niemanden zurücklassen!“ wurde im Jahr 2002 der Verein timeout Jugendhilfe e.V. von Lehrerinnen und Lehrern, Ärztinnen und Ärzten sowie Eltern und Freunden aus dem Umkreis Freiburger Waldorfschulen gegründet.

 

Mit dem Erwerb des traditionsreichen Hofgut Rössle auf den Nessellachen in Breitnau wurde ein Ort geschaffen, an dem schulmüde und schulverweigernde Kinder und Jugendliche ein neues, vorübergehendes Zuhause fanden. Da diese ob ihre Schulverweigerung ja nicht aus der Schulpflicht entlassen waren, wurden sie im Hofgut Rössle in einer autonomen, dislozierten Außenklasse einer Freiburger Waldorfschule im Rahmen einer stationären Jugendhilfemaßnahme „beschult“.

 

Schulverweigerung und Schulunlust haben viele Ursachen. Alle Schularten sind davon betroffen. Kinder und Jugendliche „scheitern“ immer öfter an den Erwartungen von Schule, Elternhaus und Gesellschaft und haben eine Vielzahl peinigender, verstörender, entmutigender Ereignisse und Erlebnisse zu verkraften.

 

Voraussetzung für ein nachhaltiges und lebenslanges Lernen ist daher in solchen Fällen zunächst, das Vertrauen in den eigenen Lebenslauf neu zu begründen und ein Vertrauen zu den Menschen des jeweiligen Umkreises zu fassen.

 

In den ersten drei Monaten ihrer Auszeit waren die Kinder und Jugendlichen von der Teilnahme am Unterricht freigestellt, um sich an ihrem neuen Lebensort zu akklimatisieren. Land-, Vieh-, Forst- und Hauswirtschaft boten hier allerdings auch in dieser Zeit eine große Vielfalt an außerunterrichtlichen Lernorten und Erfahrungsräumen. Denn in Wald und Garten, in Stall, Werkstatt und Küche konnten die Kinder und Jugendlichen ungeahnte Fähigkeiten an sich entdecken, selbstständig und eigenverantwortlich tätig werden und dadurch ermutigende Erlebnisse haben, ganz im Sinne der „nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein“.

 

In Absprache mit den Lehrerinnen und Lehrern konnten die Kinder und Jugendlichen selbst bestimmen, in welchem Umfang und in welchem Tempo sie wieder an den „klassischen“ Schulangeboten im Unterrichtszimmer teilnehmen wollten. In der Regel kamen sie nämlich von selbst irgendwann ganz überraschend mit der Frage und Bitte „Wann kann ich wieder in den Unterricht kommen?“ auf den Lehrer zu. Die Teilnahme an Schule und Unterricht geschah somit ohne Druck und Zwang. Einzige Voraussetzung war: Der Jugendliche selbst musste es wollen. Nach dem sinnhaftes Tätigsein in der Gemeinschaft das Selbstvertrauen stärkt, stellte sich das Verlangen auch nach „schulischem“ Lernen meist ganz von selbst wieder ein.

 

Der Unterricht im Hofgut Rößle fand in kleinen Gruppen statt. Einzelförderung gehörte bei vielen Kindern und Jugendlichen dazu. Neben dem so genannten Hauptunterricht, wie er in den Freien Waldorfschule gepflegt wird, gehörten ferner Musik-, Werk- und Fremdsprachenunterricht zum wöchentlichen Stundenplan. Durch ihre eigenen Interessen und Wünsche konnten die Jugendlichen die Inhalte mitbestimmen. In regelmäßigen Kurzreferaten, die vor allen Mitschülern und Mitarbeitern gehalten wurden, legten die Jugendlichen von selbst erarbeiteten Zeugnisse ab und dabei die freie Rede. Ergänzt. Wurde das Unterrichtsangebot durch Projekte wie naturwissenschaftliches experimentieren, Schauspiel, Tanz, Akrobatik, Bogenschießen, klettern und vieles andere mehr. Auch Exkursionen zu einzelnen Themengebieten des Unterrichts und Betriebsbesichtigungen fanden statt.

 

Zur Berufsfindung und Orientierung dienten den Schülern die Praktika, zu denen sie ermuntert wurden und bei deren Vermittlung wir behilflich waren. Hierfür wurden die Schüler nach individueller Regelung vom Unterricht freigestellt. Auf die notwendigen Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräche wurden sie speziell vorbereitet. Zusätzliche Übstunden in Deutsch, Mathematik und Englisch bereitet die älteren Schüler auf den Hauptschulabschluss vor. Viele nutzten das Angebot, bei uns diesen bundesweit staatlich anerkannten Schulabschluss zu erlangen. Einige besuchten anschließend weiterführende Schulen, andere begannen eine Ausbildung oder lehre. Und den Jugendlichen bei weiteren Schritten in Richtung ihrer Verselbstständigung behilflich sein zu können, pflegen wir den Kontakt zur weiterführenden Schulen, Werkstätten und Ausbildungsbetrieben der Umgebung. 

 

 

 

Nachdem die Schülerzahlen durch weitere timeout Jugendhilfesstandorte in Vörstetten, Titsee-Neustadt und am Thurner in St.Märgen stetig zunahmen und immer häufiger auch Anfragen für „ambulante“ Beschulungen eingingen, beschloss die inzwischen gegründete timeout Stiftung im Jahr 2020, den Bereich Schule und Unterricht auf eigene Füße zu stellen und als timeout Werkrealschule zu verselbständigen.

Zum Schuljahresbeginn 2020/21 erhielten wir hierzu die Genehmigung des Regierungspräsidiums Freiburg als zuständige Schulaufsichtsbehörde.

Die timeout Werkrealschule St.Märgen in freier Trägerschaft ist eine staatlich genehmigte Ersatzschule. Träger der Schule ist die gemeinnützige timeout Stiftung (timeout Stiftung gGmbH mit Sitz in Freiburg im Breisgau).

Ersatzschulen werden Schulen genannt, für die es eine Entsprechung im öffentlichen/staatlichen Schulsystem gibt, also in unserem Falle Werkrealschulen. Wir stellen somit einen Ersatz für die entsprechende Schulart in Baden-Württemberg dar.

Kennzeichnend für „private“ Ersatzschulen ist ein Unterricht eigener Prägung, insbesondere im Hinblick auf Konzeption und Erziehungsziele, aber auch im Hinblick auf die weltanschauliche Basis, auf die Lehrmethoden und die Lehrinhalte.

Zum Schuljahresbeginn 2021/22 wurde der Hauptsitz der Schule von Breitnau nach St.Märgen an den Thurner verlegt. Am Hofgut Rössle blieben jedoch Land- und Forstwirtschaft sowie die Holzwerkstatt als Lernorte der timeout Werkrealschule St.Märgen erhalten.

Inzwischen etabliert sich die timeout Werkrealschule St.Märgen zunehmend als eine Alternative zur staatlichen Regelschule. Nur noch knapp die Hälfte unserer Schülerinnen und Schüler befinden sich in einer stationären Jugendhilfemaßnahme, andere wechselten von öffentlichen oder anderen privaten Schulen zu uns, weil das besondere Konzept der timeout Schule sie und ihre Eltern überzeugte.

Der Einzugsbereich der Schülerinnen und Schüler reicht inzwischen von Schallstadt, Ebringen, Bad Krozingen und Staufen im Süden von Freiburg bis nach Vörstetten und Emmendingen im Norden von Freiburg, von Furtwangen im Norden bis nach Lenzkirch und Löffingen im Süden und Osten. Schülerinnen und Schüler kommen aber auch aus der Stadt Freiburg oder dem Kirchzartener Becken zu uns an den Thurner.

Die in knapp zwei Jahrzehnten gewonnene Expertise in der Begleitung von schulverweigernden Kindern und Jugendlichen, von Kindern und Jugendlichen mit diversen Beeinträchtigungen (Autismus, Mutismus, ADHS, Angst-/Panikstörungen etc.) qualifiziert uns in besonderer Weise für inklusiven Unterricht.

Die timeout Stiftung engagiert sich in herausragender Weise auch in der Betreuung und Integration von unbegleitet geflüchteten Minderjährigen. Diese erhalten in so genannten Vorbereitungsklassen (VKL) vom Tag ihrer Aufnahme in die Jugendhilfe an ein zuverlässiges Bildungsangebot der timeout Werkrealschule (Alphabetisierung, Schrifterwerb, Sprachunterricht, Demokratiebildung, Praktika zur Berufsorientierung u.a.).

Im Bereich der Schulabschlüsse arbeitet die timeout Werkrealschule unter Aufsicht des Staatlichen Schulamtes recht erfolgreich mit der Hebelschule in Titisee-Neustadt zusammen. Schülerinnen und Schüler der timeout Werkrealschule gehören regelmäßig zu den Erfolgreichsten ihres Abschlussjahrganges.

Seit September 2020 meout Werkrealschule St.Märgen

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